Working Girl Sew Along – Zieldefinition

Erstmal vielen Dank an die liebe Mamamachtsachen für die Organisation von diesem tollen Sew Along. Genau das, was ich jetzt brauche?

Warum? Nun ja, ich arbeite seit Anfang des Jahres in einem Anzugträgerjob. Ich habe Arbeitskleidung, aber sie ist nicht optimal. Daher bin ich immer auf der Suche nach dem optimalen, aber noch nicht angekommen. Zu allem Überfluss muss ich zur Bahn mit dem Rad fahren, das heißt die Kleidung muss auch fahrradtauglich sein.

Zu erst einmal: was brauche ich. In meinem Job tragen die Männer dunkelgraue oder dunkelblaue Anzüge, mit weißen oder hellblauen einfarbigen oder sehr dezent gemusterten Hemden und Seidenkrawatten. Die Hemden sind natürlich langärmlig und wenn man das Büro verlässt, zieht man auf jeden Fall die Jacke an.

Ich sehe das als „Uniform“, die ich dann für mich entsprechend weiblich uminterpretieren muss. Also eigentlich ganz einfach:  dunkelblaues oder dunkelgraues Kostüm oder Hosenanzug, mit weißer oder hellblauer Bluse. Da ich eine Frau bin, nehme ich mir in der Farbpalette etwas mehr heraus: ich trage auch hellgraue und dunkelblaue Blusen, und nicht nur einfarbige Kombis, sondern auch eine schwarze Hose mit einem anderen Blazer (so wie Merkel, nur nicht ganz so farbenfroh). Außerdem muss es nicht immer der klassische Blazer mit Revers sein oder die klassische Hemdbluse – momentan liebe ich Blusen aus fließenden Stoffen. Dazu aber nächste Woche mehr.

Was ich nicht trage im Beruf, sind Kleider. Höchstens mal am Casual Friday, aber auch da eher als Notlösung. Warum? Ganz einfach. Wie ich oben geschrieben habe, versuche ich die weibliche Entsprechung der Männerkleidung zu tragen. Ich will nämlich nicht als „Frau“ sondern als gleichberechtigte und gleich kompetente Kollegin wahrgenommen werden. Und wenn die Männer etwas dreiteiliges tragen (also Hose-Sakko-Bluse), dann tu ich das auch.

Klar, geht Kleid im Business auch. Aber nicht in meiner Situation. Ich bin noch ganz unten und will nach ganz oben. Dort, wo momentan die Frauenquote recht gering ist. Und dazu muss ich als Mensch wahrgenommen werden und nicht als Frau. Ganz oben kleide ich mich dann wie Jessica Pearson, wenn auch nicht so aufreizend ;).

Das sieht man übrigens auch in diversen Fernsehserien, wenn man genau hinsieht ganz gut. Z.B. in House of Cards, da schauen wir momentan die dritte Staffel an. (Vorsicht Spoiler!): Claire ist First Lady und UN-Botschafterin. Wenn sie First Lady ist, trägt sie Kleider. Wenn sie als UN-Botschafterin unterwegs ist, dann Kostüme und Hosenanzüge. Früher, als Chefin ihrer NGO hat sie beides getragen. Und auch Kathy, die Außenministerin trägt nie ein Kleid.

Natürlich gibt es bei mir in der Firma auch Frauen und die tragen auch Kleider. Sogar manche mit weitschwingenden Röcken. Das dürfen die auch gerne und sie sehen auch gut darin aus – nur ich möchte das für mich nicht. Man muss als Frau nämlich immer aufpassen, dass man im Beruf nicht underdressed ist. Manchmal sieht man nämlich in meiner Branche die Frauen dann in Strickkleidern herumrennen, teilweise sogar ohne Jacke. Und dann sieht man neben den männlichen Kollegen aus wie die Assistentin und das will man ja auch nicht.

Daher bleibe ich für mich bei Kostüm und Hosenanzug und überlasse die Kleider den anderen.

Worauf ich hinaus will? Ich brauche eine komplett neue Garderobe. Die habe ich soweit auch schon geplant, das zeige ich dann nächste Woche. Im Prinzip will ich mir ein paar Basics nähen, aus den Stoffen die ich schon habe, mit denen ich normal mehr als gut über die Runden komme. Wenn ich damit fertig bin, will ich mir ein paar ausgefallenere Teile nähen, aber erstmal brauche ich Basics für jeden Tag.

Mein Plan für den Sew Along ist einen Hosenanzug (oder Kostüm, werden wir sehen) zu nähen mit zwei passenden Blusen. Für die Anpassung von dem Hosenanzug hole ich mir professionelle Unterstützung, daher kann es sein, dass ich das nicht im Zeitplan des Sew Alongs schaffe. Aber ich bemühe mich. Außerdem habe ich noch eine Walkjacke mit Kapuze für den Weg geplant.
Wenn ich das dann geschafft habe, möchte ich mir einen zweiten Anzug mit genau dem gleichen Schnitt aus einem anderen Stoff nähen.

Für später ist dann eine Hose und ein Rock in schwarz geplant, mit zwei Blazern aus etwas interessanterem Stoff und evtl. noch Chaneljacken.

Große Pläne, ich bin mal gespannt, was ich davon schaffe. Die zwei Blusen sind auf jeden Fall schonmal zugeschnitten :).

Und jetzt lese ich, was die anderen so treiben!

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13 Antworten zu Working Girl Sew Along – Zieldefinition

  1. Das klingt nach einem spannenden Plan. Ich bin gespannt.
    Viel Spaß beim Nähen.
    Lieber Gruß, Muriel

  2. Alexandra Gerull schreibt:

    Das Transportding hab ich zum Glück zur Zeit nicht so zu bedenken. Ist aber ein guter Hinweis. Frau will ja weder frieren, noch unbedingt wie Extremsportler gekleidet auf der Arbeit erscheinen.

  3. kleiderschmiede schreibt:

    Im Winter ist meine Lösung ganz klar: umziehen. Da trage ich Stiefel und hab die Büroschuhe in der Tasche. Sonst ja, ich hab leider auch zu oft meine Fahrradjacke an. Ein Cape fände ich total toll und auch praktisch, da es mühelos über Blazer und Co passt, aber mit Fahrrad und Öffis eher nicht so tauglich. Wenn man mit dem Auto fährt dann wär das natürlich was.

  4. fraeuleinnotter schreibt:

    Super, jemanden dabei zu haben mit ganz klassischem Dresscode! Hosenanzug ist eine große Herausforderung, vor der ich größten Respekt habe. Freur mich schon darauf, zu sehen, wie Du Deine Pläne umsetzt!

  5. anne schreibt:

    Klingt alles sehr einleuchtend, was du schreibst und ich würde in deiner Situation auch unbedingt auf die Strickkleider verzichten 😉
    Ich wünsch dir gutes Gelingen, vor einem Hosenanzug habe ich großen Respekt!
    LG
    anne

  6. AnniMakes schreibt:

    Sehr spannend deine Überlegungen zu dem Thema. Aber irgendwie finde ich es auch schade, dass du bewusst darauf verzichtest, eher weibliche Kleidungsstücke zu tragen.
    Aber das wichtigste ist, dass du dich wohl fühlst und in deiner Kleidung das ausstrahlst, was du möchtest. LG, Anni

    • kleiderschmiede schreibt:

      Naja, ich trage ja schon weibliche Kleidungsstücke, ein Rock und eine fließende Bluse sind ja schon weiblich. Nur halt keine Kleider. Für mich ist das aber auch gar nicht schlimm, ich trage dann in meiner Freizeit fast nur Kleider und kann so gut zwischen Arbeit und Freizeit unterscheiden ;).

  7. lottiekamel schreibt:

    Ich würde mich wie AnniMakes eher schwer tun damit, keine Kleider zu zeigen bzw. das Frausein nicht voll ausleben zu können 😉 bzw. sowieso mir so sehr vorschreiben lassen, was ich beruflich trage – zum Glück muss ich das (noch) nicht. Aber andererseits, es gibt auch soo viele schöne schicke schlichtere Businessoutfits. Und so hast du mehr das Prinzip „Uniform“ auf der Arbeit und schlüpfst automatisch in deine Rolle.

    Hosenanzüge klingen nach einer grossen Herausforderung – aber so richtig schön massgeschneidert sieht das bestimmt klasse aus, ich bin gespannt. Und Chaneljacken finde ich auch ganz eine tolle Idee.

  8. blaupause7 schreibt:

    Das sind interessante Überlegungen; kann es sein, dass du (so wie ich) in der Finanzbranche arbeitest? Was das underdressed-sein angeht, so habe ich eher die gegenteilige Erfahrung gemacht, nämlich dass ich aufpassen muss, nicht zu overdressed zu erscheinen – kommt vielleicht auch etwas darauf an, wie stark das Umfeld einen reglementiert, was die diversen Dresscodes angeht (z.b. sich niemals besser als der Chef zu kleiden). Was tun, wenn der allgemeine Konsens für männliche Angestellte „Anzug-Hemd-Krawatte“ und der für weibliche Angestellte „Hosenanzug oder Kostüm“ lautet, sich aber die meisten weiblichen Angestellten dann doch in einfache Hosen mit Bluse, Pulli oder Poloshirt kleidet? Bin ich dann in Bleistiftrock, Bluse und passendem Blazer zu „feingemacht“?
    Es gibt Tage, da bin ich ratlos…

    • kleiderschmiede schreibt:

      Nein, ich bin nicht in der Finanzbranche, aber so ähnlich ;).
      Ja, genau die gleichen Gedanken mache ich mir auch immer. Also besser als der Chef zu kleiden ist schwierig, die tragen alle Maßanzüge. Aber das mit den Kolleginnen…bei uns hören die ab einer bestimmten Ebene auf. Ganz oben gibt es (fast) nur Männer. An wem soll man sich da orientieren? Wie gesagt, ich halte es dann mit der „weiblichen“ Übersetzung des männlichen Dresscodes und trage eben Kostüm oder Anzug.
      Mein „Hauptproblem“ (und das der wenigen Kolleginnen über mir) ist es, dass ich oft für eine Assistentin gehalten werde. Da möchte ich mit meiner Kleidung etwas gegensteuern.

  9. Ulrike schreibt:

    Als ich mich als Ingenieur noch unter Finanz- und Versicherungsleuten herumgetrieben habe, war auch ein förmlicher Kleidungsstil erforderlich. Ich trug wie der Großteil der Damen Hosenanzüge. Bei der Wahl der Oberteile und dem Schnitt des Blazer sowie evtl. dem schmückenden Beiwerk konnte man sich dann austoben. Solange man nicht streng hochgeschlossene Oberteile trug, hatte keine der Damen den Eindruck nicht weiblich gekleidet zu sein (eher das Gegenteil). Insofern würde ich mir keinen Kopf machen. Außerdem muss man im Kostüm mit dem Laufschritt der Herren erstmal mithalten können, wenn es zu Besprechungen/zum Mittag geht. LG, Ulrike

    • kleiderschmiede schreibt:

      Oh ja, wobei die Herren bei uns nett und freundlich sind, immer die Türen aufhalten und auch die Schirme tragen. Mit einem (nicht zu hoch) geschlitzten Rock kann ich auch gut gehen, aber bei hohen Schuhen hört es dann schon wieder auf. Aber dann sag ich auch klar und deutlich, dass sie bitte etwas langsamer gehen sollen, sonst tauschen wir Schuhe ;).

  10. Pingback: Working Girl Sew Along: Theoretisches und die Schnitte | Blumen und Federn

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