Über Grundschnitte

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Jahrelang dachte ich mir: wozu brauche ich Grundschnitte? Ich will modische Kleidung nähen, Grundschnitte sind viel zu langweilig. Und was will ich mit einem Grundschnitt, wenn ich solche Kleider nähe? Hilft mir dann herzlich wenig.

Ich habe mir dann also damit beholfen – was auch relativ gut klappte, an den Schnitten gewisse Standardänderungen durchzuführen. Das mache ich heute immer noch: Ich füge 2cm an der Taille dazu, schneide zur Hüfte hin 2 Größen größer aus und erweitere den Ärmel. Ich habe mir sehr viele verschiedene Sachen so genäht und war glücklich. Die Passform passte für meine Ansprüche damals auch.

Dann fing ich an, mir 5 Bleistiftröcke nach dem gleichen Schnitt zu nähen. Bleistiftröcke sind für meine Figur besonders vorteilhaft, da sie keine zusätzliche Weite an meinen breiteren Hüften auftragen. Es folgten 4 Etuikleider nach dem gleichen Schnitt, nur mit Kragenvariationen. Und einige weiße Blusen nach dem gleichen Schnitt.

Ich fing an zu verstehen, dass es durchaus auch befreiend sein kann, wenn man immer auf den gleichen Schnitt zurückgreifen kann. Man weiß, dass er passt, spart sich die Arbeit ihn abzupausen und zu ändern, und weiß auch wie man ihn nähen muss. Und man kann ihn ohne Probleme abwandeln, vor allem wenn es ein Schnitt ist, der z.B. viele Kragenvariationen vorsieht.

Mit der Zeit wurde dann mein Anspruch an Passform immer höher und auch meine Figur etwas schwieriger, von daher habe ich immer ein Probeteil aus Bomull gemacht. Allein das Probeteil dauerte oft länger, als ich vorher für das ganze Kleidungsstück gebraucht habe.

Wenn man so viel Aufwand in ein Teil steckt, möchte man natürlich auch mehr davon haben. Daher ist es bei mir mittlerweile die Regel, das angepasste Schnitte mindestens zweimal genäht werden. Und ich hebe die Schnitte – mit auseinandergeschnittenem Probeteil – auf. Früher wanderten sie – mit wenigen Ausnahmen – sofort in die Tonne.

Jetzt will ich das ganze einen Schritt weiter gehen. In den Nähferien in Donauwörth und dann wieder daheim beim Nähtreff habe ich mir einen Rockschnitt angepasst. So, dass ich ihn einfach unten säumen kann und er gerade ist, ohne dass ich einen Rockabrunder brauche.

Außerdem fahren eine gute Freundin und ich zu einer Schneiderin, um uns einen Hosen-, einen Blazer- und einen Blusenschnitt anpassen zu lassen.

Noch immer nicht überzeugt? Ich kenne eine Frau, die eine sehr passionierte Näherin ist. Sie näht auch nach sehr vielen verschiedenen Schnitten und macht nie ein Probeteil. Aber: Sie kennt ihre Änderungen und bleibt immer bei einer Schnittmusterfirma. Das mag zwar bei den ganzen schönen Indieschnittmustern eine Beschränkung darstellen, aber mal ehrlich: Die Passform ist Glücksache und viele verkaufen nur sehr einfache Schnitte, die man oft bei Burda auch findet. Wenn man sich dann einmal die Mühe macht, einen Grundschnitt von z.B. Burda genau an seinen Körper anzupassen und dann die gleichen Änderungen (z.B. Hohlkreuzanpassung, Länge, Weite, FBA etc.) bei jedem Schnitt wieder durchführt, hat man gute Karten eine sehr gute Passform zu bekommen. Außerdem kann man alle weiteren Schnitte dann mit seinem Grundschnitt vergleichen.

Und, wie steht ihr so zu Grundschnitten?

Alles Liebe,

Marianne

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2 Antworten zu Über Grundschnitte

  1. mit heisser nadel schreibt:

    Das ist ein spannendes Thema, zu dem ich mir auch immer wieder Gedanken mache. Letztendlich will man einen irgendwie interessanten Schnitt, der zum eigenen Körper passt. Der eine Weg ist, den Schnitt zu nehmen und an den Körper anzupassen, der andere, einen an den Körper angepassten Schnitt zur Basis nehmen, um interessante Details, Schnittführung und Weite hinzuzufügen. Ich glaube, beides bedarf viel Erfahrung. Ich habe mittlerweile auch meine ‚Standardänderungen‘ bei einigen Herstellern heraus. Bei schmalen Röcken gehe ich von ‚meinem‘ Schnitt aus und veränder Abnäher, Länge, Details. Alles andere ist noch nicht soweit. Ich denke aber, dass es auch nicht so einfach zu konstruieren ist, insbesondere auf Details hin, 1 cm mehr oder weniger, höher oder tiefer, das sehe ich nicht auf dem Papier, deswegen wähle ich mal den einen, mal den anderen Weg.
    Viele Grüße,
    Katharina

  2. Sehr interessanter Post. Hab darüber nachgedacht. Einen Grundschnitt habe ich mir bisher nur für eine Hose erstellt. Das hilft mir wirklich sehr.
    Bei Burda passe ich sozusagen genau in die Maßtabelle , nur im Rücken muß ich mein Hohlkreuz ausgleichen. Am liebsten nähe ich nach Voque -Schnitten, aber auch da paßt es in der Regel relativ gut. Brauche ich jetzt noch einen Grundschnitt oder bin ich die Glückliche unter vielen, die sich diese Arbeit nicht machen muß oder mache ich was falsch?!
    Grundsätzlich finde ich es aber richtig und wichtig, daß man seinen eigenen Körper analysiert hat, und somit schon im Vorfeld erkennt, ob ein Schnitt für einen selbst passen könnte oder nicht.
    Auf das rote Voque-Kleid wäre ich sehr gespannt. Das gefällt mir außerordentlich gut.

    Liebe Grüße
    Susan

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