Über Grundschnitte….Teil 3: Wie komme ich dazu ? – Methode Professionelle Hilfe und WGSA

Ich fasse heute die Themen „Grundschnitt“ und Working Girl Sew Along zusammen, weil es beides zusammengehört. Und ich hätte sonst auch nicht wirklich was zum WGSA zu schreiben…

Wie ich schon geschrieben habe, hat die Methode DIY bei den Hosen nicht so funktioniert. Also fuhren eine Freundin und ich in die nächste größere Stadt, wo es eine Schneidermeisterin gibt, die Schnittanpassungskurse macht.

Das ist eine Schneidermeisterin mit über 30 Jahren Erfahrung, die mitten in der Altstadt ihr Atelier hat. Wir sind also dann hingefahren und hatten im Gepäck abgepauste Schnitte, die wir uns anpassen lassen wollten. Zur Vorbereitung haben wir der Dame schon unsere Maße (also OW, TW, HW) geschickt und Fotos von vorne, hinten und der Seite. Und welche Schnitte wir uns vorstellen (auch wenn wir die nicht gebraucht haben).

Wir fuhren dann also hin, in der Annahme, dass wir unsere mitgebrachten Schnitte anpassen, bis zum nächsten Mal ein Probemodell nähen und dann ein drittes Mal mit einer Probehose aus „echtem“ Stoff kommen.

Es lief aber alles ganz anders . Wir haben unsere Schnitte nicht mal ausgepackt. Die Dame hatte sich gut vorbereitet. Sie hat wohl eine Kundin, die eine ähnliche Figur wie meine Freundin hat. Deren Hose, die gerade in Anfertigung ist durfte sie probieren. Die wurde abgesteckt, dann hat sie den Schnitt abgepaust, geändert und den konnte sie gleich mitnehmen.

Ich habe einen Schnitt von einer Kundin mit ählichen Maßen abgepaust, wir haben eine Probehose genäht, angepasst und dann wurde der Schnitt abgepaust, freihand etwas geändert (das war Wahnsinn – sie hat mich angesehen, gewusst wo sie was ändern muss und das hat dann auch so gestimmt!), den ich dann auch mitgenommen habe. Wir haben wieder im November einen Termin gemacht haben und werden bis dahin eine Probehose selbst nähen, um evtl. Fehler noch zu beheben und Fragen dann klären zu können.

Was haben wir noch gelernt? Jede Menge. Wir haben gelernt, wie man die Hose dressiert (und man dressiert jede Hose, auch wenn sie eine Jeans ist und gewaschen wird). Und wie man sie steckt. Und, und, und. Man hat gemerkt, dass sie eine Meisterin mit jahrelanger Erfahrung ist. Und hat ihren Erfahrungsschatz bereitwillig geteilt, obwohl sie normalerweise das nicht tut, weil es ihr Kapital ist. Sie hat uns aber nett und sympathisch gefunden und uns daher daran teilhaben lassen. Was vor allem toll war: Sie hat mir gezeigt, wie ich bei meiner Freundin die Hose abstecken muss und worauf ich achten muss. Und umgekehrt. Da wir uns regelmäßig beim Nähtreff treffen, können wir uns so gegenseitig helfen und wissen nun auch, was wir tun müssen (kurz und knapp: rabiat sein und _alles_ abstecken, den Schnitt dann ggf. einfach ändern und Abnäher etc. in eine vorteilhaftere Position verlegen). Wichtig ist auch jede Hose abzustecken. Dazu näht man die Hose zusammen ohne Bund, nimmt ein Stück undehnbare Vlieseline (z.B. zusammengeklapptes Bundfix), bindet es sich um die Taille und steckt dort die Hose fest. So kann man sehr viele Passformprobleme eliminieren, in dem man die Bundlinie etwas verschiebt.

Wichtig ist auch die Stoffqualität. Hosen müssen Elasthan haben oder aus hochwertigstem Wollstoff sein, sonst gibt es zwangsläufig Falten. Und zumindest mit letzterem habe ich kein Problem … 😉

Sie hat übrigens auch gemeint, dass andere Schneiderinnen (und sie normal auch nicht) ihre Schnitte nicht verkaufen, da es ihr „Kapital“ ist und sie nicht wollen, dass Leute dann zur billigen Änderungsschneiderei gehen und sich die Sachen dort nähen lassen. Und auch sonst ungern sowas herausgeben, auch an Hobbyschneiderinnen. Sowas in der Art habe ich mir auch schon gedacht, was ich an Erfahrungen von anderen Leuten gehört habe. Von daher waren wir natürlich besonders froh, dass wir sie gefunden haben.

Mittlerweile habe ich aus einem Wollstoff der zwar von der Qualität einwandfrei ist, aber vom Muster her aus der Kategorie „What was I drinking?“ kommt, genäht. Bis jetzt nur geheftet und wie oben beschrieben an einem Stück Vlieseline abgesteckt. Und was soll ich sagen: Es sitzt perfekt! Ein paar kleinere Falten, aber die bekomme ich auch noch weg. Schon mal deutlich besser als jede Hose die ich jemals genäht habe. Zumindest insofern ein Erfolgserlebnis, auch wenn ich nicht glaube, dass ich zum Schlusstermin auch nur ein fertiges Kleidungsstück zeigen kann. Aber, who cares – ich hab ne passende Hose!

Was die anderen so genäht haben (oder nicht), findet ihr hier!

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7 Antworten zu Über Grundschnitte….Teil 3: Wie komme ich dazu ? – Methode Professionelle Hilfe und WGSA

  1. Mema schreibt:

    Deine Beitrage zum Grundschnitt sind wirklich klasse, und ermutigend und beispielhaft. Ich lese sie sehr gerne. Manche deiner Erfahrungen teile ich.
    Zum Bundfix kann ich eine Variante beitragen. Ich habe seit längerem ein breites Gummiband zum Ring genäht. Das sitzt beim Anpassen von Röcken und Hosen und auch Kleidern um meine Taille und, wie du beschreibst, zuppel ich das Probekleidungsstück so zurecht das es unten gerade und an den Seiten lotrecht und gut sitzt. Dann markiere ich den korrekten Sitz auf dem Kleidungsstoff. Sehr hilfreich.
    Schöner Gruß
    Mechthild

    • kleiderschmiede schreibt:

      Danke für das Lob! Das mit dem Gummiband ist auch eine gute Idee.
      Das Bundfix habe ich einfach an der Hose gelassen und kann so die Linie anzeichnen, wenn die Hose ausgezogen ist, aber wenn man Hilfe hat, ist das andere ja auch kein Hexenwerk. Danke für den Tipp!

  2. Alexandra Gerull schreibt:

    Ich habe ja zum Glück, eine Schneidermeisterin, dre ich mit sowas kommen kann. Vielleicht sollte ich mein Hosentrauma noch mal von der Seite angehen. 😉

  3. Ly schreibt:

    Super, dass Du deine Erfahrungen mit uns teilst, danke!
    Ist mit „Hose dressieren“ das Dehnen unter Dampf am hinteren Oberschenkelteil gemeint?
    Liebe Grüsse, Ly

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