Businessgarderobe für Anfänger

Heute geht es mal nicht um Nähen, sondern um Garderobenplanung. Und zwar um eine Frage, die wir kurz vor Weihnachten diskutiert haben: Was braucht man eigentlich als Berufsanfängerin mit Anzugträgerjob* an Grundausstattung? Also möchte ich mal meine Gedanken dazu niederschreiben.

Zum einen hat man als Berufsanfängerin oft nicht so viel Geld zur Verfügung, um sich sofort 5+ Anzüge zu kaufen** und dazu dann jeweils verschiedene Blusen und Oberteile. Daher sollte man sich am Anfang auf Basics beschränken, bei denen es nicht auffällt, wenn man öfters das gleiche trägt. Hat man sich eine Grundgarderobe geschaffen und auch ein bisschen mehr Selbstvertrauen gewonnen, kann man dann auch zu ausgefalleneren Stücken greifen.

Anzug/Kostüm: Auch wenn es eine Investition ist, sollte man sich am Anfang zwei (oder wenn das Budget reicht idealerweise drei) Hosenanzüge oder Kostüme kaufen. Die Grundregel lautet: einen Hosenanzug oder Kostüm trägt man, eines lüftet aus und das dritte ist in der Reinigung. Man sollte sich überlegen, ob man sich nicht zwei Hosen oder Röcke mit einem Jackett kauft, da das Jackett nach meiner Erfahrung eh die meiste Zeit über dem Stuhl hängt und nur ab und zu angezogen wird. So verlängert man die Reinigungszyklen. Meine Empfehlung ist, sich zwei Hosenanzüge/Kostüme für die aktuelle Saison (also jetzt wäre das Winter) zu kaufen und dann für die nächste Saison (Sommer) nochmal zwei. Dann hat man eine Grundausstattung, die man dann in jeder neuen Saison – je nach Budget – durch ein bis zwei neue Hosenanzüge/Kostüme ergänzen oder falls notwendig aufstocken kann.

Die klassischen Farben sind dunkelblau und grau; schwarz hat immer so etwas von „Konfirmations-“ oder „Firmanzug“. Aber natürlich kann man auch schwarz tragen, wenn man sich darin wohler fühlt. Braun empfehle ich nur, wenn man ein Herbst- oder Frühlingstyp ist und keinen blauen oder grauen Anzug/Kostüm findet, der einem steht. Braun ist im Business doch immer noch recht ungewöhnlich.

Kleider empfehle ich in dieser Situation nicht, aber das ist ein anderes Thema das ich evtl. mal an anderer Stelle erläutere.

Blusen/Oberteile: Hier sollte man mindestens fünf haben, um von Montag bis Freitag ausgestattet zu sein und dann am Wochenende waschen und bügeln zu können. Es muss im Business übrigens für Frauen nicht immer die klassische Hemdbluse sein, ich finde auch – je nach eigenem Stil – Blusen aus weichfallenden Stoffen, Schluppenblusen oder sonst etwas schön. Die Farben sollten natürlich hell sein und nicht zu knallig – eine rote Bluse ist meistens eher keine gute Idee, vor allem am Anfang. Wer auf Nummer sicher gehen will, wählt Weiß- oder Cremetöne. Schön finde ich auch Blusen in der Farbe des Hosenanzugs/Kostüms, also z.B. ein dunkelblaues Kostüm mit einer dunkelblauen Bluse. Mit der Zeit kann man dann auch aufstocken, um nicht jedes Wochenende waschen zu müssen. Wie viele man im Endeffekt haben möchte, ist Geschmackssache, ich denke 10 ist eine sinnvolle Zahl, wenn man die Blusen in die Reinigung gibt, evtl. auch mehr.

Mäntel: Wichtig ist auch, adäquate Oberbekleidung zu haben. Ich fühlte mich nirgends unpassender gekleidet, als mit einer Funktionsjacke über meinem Kostüm. Leider hatte ich nichts anderes, das zur Jahreszeit passt. Meine Empfehlung ist sich je nach Jahreszeit einen Mantel oder eine Jacke zu kaufen und dann zur jeweiligen Saison wieder ein neues Teil, bis man für das ganze Jahr gewappnet ist. Was man genau braucht, hängt vom Arbeitsweg und dem Klima ab, aber ich denke eine Sommerjacke, ein Trenchcoat für die Übergangszeit und ein Wintermantel sind eine gute Grundausstattung.

Casual Friday: In manchen Büros gibt es Casual Fridays. Sinn oder Unsinn sei dahingestellt, auch dafür sollte man gewappnet sein. Man kann zB eine schöne Jeans (nicht ausgewaschen), eine etwas farbenfrohere Bluse und einen Pulli oder Strickjacke tragen. Oder auch ein Kleid. Wie man sich wohlfühlt. Der Grundsatz ist jedoch: Auch wenn man eigentlich vom Grundgedanken das tragen sollte, was man in der Freizeit trägt, sollte man doch eher davon ausgehen, was eine englische Lady oder ein englischer Lord in der Freizeit tragen würden.

Schuhe: Schuhe sind so eine Sache. Auch wenn so eine Grundausstattung wahnsinnig viel Geld kostet, sollte man darauf achten, dass man sich gute Schuhe kauft, auf denen man den ganzen Tag gehen kann. Oft hat man sehr lange Arbeitstage und da sind wehe Füße das letzte, was man braucht. Zwei Paar sind als Grundausstattung sinnvoll, damit ein Paar auslüften kann, während man das andere trägt. Um die Schuhe zu schonen und auch im Winter trage ich immer ein paar „normale“ Schuhe für den Arbeitsweg und ziehe die schönen Arbeitsschuhe dann immer erst in der Arbeit an. So schone ich die Schuhe und meine Füße. Auch wenn man keinen so weiten Weg hat, bin ich immer abends froh, wenn ich andere Schuhe anziehen kann. Im angloamerikanischen Raum ist das übrigens viel verbreiteter als bei uns, ich habe da bei Anwältinnen schon halbe Schuhschränke unterm Schreibtisch gesehen 🙂

Das Untendrunter: Ich glaube hier muss ich nicht ausführlicher werden, ich glaube das versteht sich von selbst. Wenn man Kostüme trägt, sollte man sich eine ausreichende Anzahl an hautfarbenen Feinstrumpfhosen besorgen (und ja, die trägt man auch bei 35° – die Regel ist, wenn die Herren in kurzer Hose kommen dürfen, dann dürfen die Frauen ohne Strümpfe kommen. Vorher nicht. Und ja, mir ist klar dass diese Regel immer mehr in Vergessenheit gerät.) Und – auch wenn das eigentlich selbstverständlich sein sollte: Man sollte von außen die Unterwäsche nicht sehen. Also entweder sich z.B. T-Shirt-BHs besorgen oder Unterhemden tragen. Unterhemden klingt jetzt wie Oma, aber ich trage immer Spaghettiträgertops unter meinen Blusen. Das wärmt zum einen, da so Blusen oft nicht wirklich warm halten, zum anderen sind weiße Blusen oft durchsichtig und auch dem wird so entgegengewirkt. Und drittens – falls im Eifer des Gefechts doch mal ein Knopf aufgeht, steht man nicht halbnackt da.

*Ich beziehe mich auf Jobs, wo Anzug und Krawatte für die Herren Pflicht ist und für die Damen eben das Äquivalent.

** Kaufen kann man natürlich auch durch nähen ersetzen.

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4 Antworten zu Businessgarderobe für Anfänger

  1. blaupause7 schreibt:

    Guter Artikel, aber meinst Du, es wäre schlimm, bei dem Casual Friday nicht mitzumachen? Ich sehe am Casual Friday leider immer wieder Leute, die sich anziehen, als gingen sie auf den Fußballplatz – da frage ich mich gelegentlich, ob das im Sinne des Erfinders war. So underdressed würde ich mich unwohl fühlen… dann lieber ein selbstgenähtes Kleid oder Bleistiftrock mit Kurzarmpulli für mich.

  2. kleiderschmiede schreibt:

    Nein, muss man natürlich nicht. Ich habe am Casual Friday auch schon Dinge gesehen, die ich nicht hätte sehen wollen (ausgewaschene Jeans mit ungebügeltem Hemd, bei dem einige Knöpfe zu wenig geschlossen waren).
    Was man auch machen kann, ist z.B. keinen Anzug zu tragen, sondern eine Kombination aus einer Stoffhose und einem andersfarbigen Blazer oder einer (dezenten) Chaneljacke. Oder Rock mit Bluse und Strickjacke. Es gibt viele Möglichkeiten. Und sobald man an dem Tag Außenkontakt hat, sollte man ja sowieso die normale Kleidung tragen (außer es gibt beim Kunden auch Casual Friday).

  3. Gerlinde schreibt:

    😀 – Jaa, ‚Australien‘ vermeldet hiermit Richtigkeit ‚Schuhschrankes‘ unterm Buero-Tisch.
    Schaut auch immens amuesant aus, wenn diese dann aber chic gekleideten Damen des Morgens/Abends mit gemuetlichen = haeufig ’sehr anti-chicen‘ Schuhen zu ihrem adretten Kleidungs-Stil seeehr flotten Schrittes (= da in gemuetlichen ‚Tretern‘) unterwegs sind.
    Dieselben Damen dann waehrend evtl. nur ‚kuerzerer outdoor-Strecken‘ zu Mittags unterwegs und deren mitunter schwindelerregend hohenStilettos koennten in der Tat eine ‚akzeptable Waffe‘ sein!

    LG, Gerlinde

    Der Casual Friday ist wohl von Firma zu Firma ‚unterschiedlich casual‘; d.h.: Jeans kriegen da mitunter trotzdem ein Verbot = vor allem Melbourne ist da eeenorm ‚klassisch’/british‘ angehaucht!
    Dafuer steht neben vielen Aktentaschen die ‚Bukos‘ am ‚Casual‘ in trauter Zweisamkeit unterm Schreibtisch schon startklar 😉

  4. Heigern schreibt:

    In verschiedenen Businesses ist der Casual Friday noch nicht angekommen. Zum Glück. Gerade in Geschäften, bei denen es auch am Freitag noch um viel Geld geht, gehört die Krawatte für den Herrn zum guten Ton. Auch sehe ich mittlerweile Männer die eine Kombination aus Krawatte und Tücher tragen. Unvorstellbar, das jene mit Jogginghose zum Meeting erscheinen.

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